Was uns der Fall Prokon lehrt

Ich erlebe es immer wieder, dass sich Anleger eine Anlageform wünschen, die erstens gute Erträge bringt und zweitens mit dem Gewissen vereinbar sind. Man will schließlich mit seinem Geld nicht solche Unternehmern unterstützen, die Dinge tun, die man selbst für unverantwortlich hält.

Der Windanlagenbauer Prokon schien hier für viele Anleger eine attraktive Alternative zu sein. Hoher Renditeversprechen waren gekoppelt mit umweltverträglicher Energiegewinnung. Auf diese Weise hat Prokon fast 1,4 Milliarden Euro von zehntausenden Anlegern eingesammelt. Und das, obwohl Verbraucherschützer schon seit Jahren vor Prokon warnen.

Möglicherweise werden die Pessimisten jetzt recht behalten. Denn seit dem Wochenende ist die Liquiditätslage des Ökostrom-Finanzierers so angeschlagen, dass vielleicht die Insolvenz droht.

Auf der Homepage von Prokon wirbt das Unternehmen für seine Genussrechte: 6 % werden in Aussicht gestellt zuzüglich erfolgsabhängiger Gewinnbeteiligung. Als verständiger Anleger sollten bereits hier alle Warnlampen aufleuchten. Klar muss sein, dass hohe Renditen immer auch mit hohem Risiko gepaart ist.

Und um dieses Risiko zu begrenzen sollte man bei risikobehafteten Investitionen immer auf Diversifikation achten. Meiner Erfahrung nach wird das aber immer wieder sträflich vernachlässigt. Man findet eine Anlageform so gut, dass man gleich bereit ist, einen Großteil des eigenen Vermögens auf diese eine Karte zu setzen.

Ich bin aber tatsächlich auch immer doppelt und dreifach auf der Hut, wenn jemand versucht mittels „moralischer“ Argumente Geld einzusammeln. Natürlich habe ich nichts gegen Moral, Nachhaltigkeit oder verantwortungsvollem Geschäftsmodellen. Dennoch lehrt mich die über 20-jährige Erfahrung als Vermögensberater: der Wunsch nach moralisch korrekten Investments wird leider allzu häufig ausgenutzt.

Beispielsweise habe ich mir schon einige Fonds angesehen, die mit den Wörtchen „ökologisch“ oder „nachhaltig“ werben. Genauer betrachtet ging es den betreffenden Initiatoren vor allem darum, ahnungslose Anleger auszunehmen. Ich hoffe einmal, dass das im Falle Prokon nicht so war.

Ein anderes Beispiel ist auch die Firma ecoConsort AG. Der Name der Firma soll darauf schließen lassen, dass die Firma nach ökologischen Grundsätzen agiert. Tatsächlich hat sie zu der Firmengruppe um die Future Business KGaA gehört, deren leitende Manager jetzt wegen des Verdachts auf Anlagebetrug in Untersuchungshaft sitzen.

Ich könnte noch mehr derartige Beispiele nennen. Wie gesagt, genug, um insgesamt sehr, sehr vorsichtig zu werden, immer dann wenn im Zusammenhang mit Geldanlage solche Wörtchen wie „ökologisch“, „ethisch“ oder „nachhaltig“ fallen.

Und das ist natürlich traurig. Denn ich kann sehr gut nachvollziehen, dass man mit Verantwortung investieren möchte. Mein Rat aber ist, seiner Verantwortung besser durch gezielte Spenden an bestimmte gemeinnützige Vereine oder Stiftungen nachzukommen. Der Bereich Geldanlage steht für sich, und der Bereich „Förderung guter Projekte“ steht für sich. Auf diese Weise trennt man diese beiden Bereiche, und kann in beiden möglichst effizient tätig werden. So wünschenswert eine Vermischung wäre, ich glaube nicht, dass das in der Praxis gut umsetzbar ist.

Und wenn man spendet, kann man ganz genau lenken, wohin das Geld geht: an hilfsbedürftige Kinder, an die Dritte Welt, an Sozial Schwache, etc. etc.

2 Kommentare
  1. Olaf C.
    Olaf C. sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Peterreins,
    in Artikeln über die rabiate Abholzung rumänischer Wälder ist von einer „Holzmafia“ die Rede. Wie war das, hat Prokon nicht was mit rumänischen Wäldern zu tun?
    Wo kommt Prokons Biomasse her? Am Ende haben vielleicht unter Anleitung von Prokon noch Kapitalismuskritiker Geld lockergemacht, das in die Zerstörung der letzten europäischen Urwälder investiert wird? Hoffentlich kümmert sich mal ein Journalist um diese Frage.
    mfG

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  2. Olaf C.
    Olaf C. sagte:

    PS Ich habe gerade gesehen, daß in der „Welt“ von heute unter der Überschrift „Finsterer Wald“ ein Artikel zum Thema erschienen ist. Tenor sind Geschäfte von Prokon in Rumänien, die laut Welt dem Insolvenzverwalter bzw Prokon noch viel Ärger einbringen werden, es geht um den Erwerb von Wald für 80 Millionen Euro unter irgendwie dubiosen Umständen.
    Man darf wohl gespannt sein, was da noch ans Tageslicht kommt!

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